Blaues Ringen

Im Bund koalierte bis vor Kurzem die FPÖ mit der ÖVP, gemeinsam regierten sie die Republik. Spätestens seit dem Ibiza-Video hat ihr Höhenflug aber ein wenig an Fahrt abgenommen. Wie auch im Bund kämpft die Freiheitliche Jugend (FJ) in Niederösterreich mit Problemen.

Wasserbälle, Gratiseis und blaue Goodies. Die Freiheitliche Jugend geht diesen Sommer wieder auf Bädertour. Land auf und ab will die kleine Tochterorganisation der FPÖ so mit den jungen Menschen Niederösterreichs ins Gespräch kommen und sie an eines erinnern: „Hallo, es gibt uns.“ Alexander Murlasits, er ist Obmann der FJ im Land, hat sich diese Idee von seinen Kollegen aus Wien abgeschaut. „Die Bädertour fand schon vor zwei Jahren statt und hat funktioniert“, sagt er. Seitdem erlebe die FJ ein Mitgliederhoch – allerdings gemessen an einem überschaubaren Maßstab.

Die Freiheitliche Jugend im Land kämpft gegen große Konkurrenz. Mit der JVP steht ihr eine erfahre Konservative gegenüber, in St. Pölten waltet die SPÖ dank einer unwahrscheinlich hohen Absoluten. Dank Ortsgruppen in Melk und Amstetten hat die FJ im Mostviertel mittlerweile Fuß gefasst, eine flächendeckende Alternative am Land könne sie noch nicht bieten. „Bei der Jugend ist das noch nicht der Fall. So ehrlich muss man sein“, sagt Murlasits. Erreichen möchte er das mit Themen wie Mobilität, leistbarem Wohnen und Sicherheit.

Mangelerscheinungen

Abseits von See und Freibad kommuniziert die Jugendpartei ihre Punkte über das Internet. Auf den Social-Media-Kanälen funktioniert das, nur leidet die Homepage der FJ unter kleinen Mangelerscheinungen. Auf der Niederösterreichischen wurde seit 23. Mai letzten Jahres nichts gepostet. Das läge an ihrem Umbau, sagt Murlasits, der einige Zeit in Anspruch nehme. Dafür soll die Website ihre Besucher in den nächsten Monaten aufgehübscht wieder mit parteipolitischen Inhalten versorgen.

Ein weiteres Problem hat die Homepage der Bundes-FJ. Besucher der Website finden dort ein Feld mit dem Wort ‚Bundesländer‘, das zu einer interaktiven Österreichkarte führt. Nach einem Klick auf ‚Niederösterreich‘ verrät die Suchmaschine: Die Seite ist nicht bekannt. Das liegt daran, dass sie auf die alte Domain der Freiheitlichen Jugend führt. Am 27. August 2017 wurde sie aber aktualisiert und um ein ‚R‘ beraubt. Es stand für ‚Ring‘, wie in Ring Freiheitlicher Jugend. „Der Name war einfach komplett veraltet. Wer sagt denn heute noch Ring für eine Vereinigung?“, sagt Murlasits. Vor zwei Jahren habe der Bund den Namen intern diskutiert und geändert. Nach außen wurde das seines Wissens nach leider nicht kommuniziert. Stichwort „veraltet“. Diesen Begriff will Murlasits ziemlich deutlich ablegen. Anfang des Jahres wählte die FJ zu seiner Beruhigung fünf statt zuvor zwei Frauen in den Landesvorstand.

Die Heimatpartei

Eine von ihnen ist Jennifer Köhler. Als junge Frau trat sie zuerst der FPÖ bei, dann der Freiheitlichen Jugend. Im Bezirk St. Pölten ist sie heute deren Obfrau. „Hier fühle ich mich zuhause“, sagt Köhler. Die FPÖ sei ihre politische Heimat. Mit Schwerpunkten wie ‚Sicherheit für Frauen‘ und ‚dem Wert der Familie‘ spricht ihr die Partei aus der Seele. In ihrer Freizeit verteilt die pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin Medikamente an Pensionistinnen und Pensionisten, die den regelmäßigen Weg zur Apotheke nicht mehr schaffen können. Sie kümmere sich um die Menschen der Stadt.

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Jennifer Köhler

Im Interview zuvor erklärte Alexander Murlasits, dass jeder Bezirk seine eigene Veranstaltung habe, auf die er sich konzentrieren würde. In St. Pölten nimmt das Trachtenclubbing diesen Platz ein. Köhler beschreibt es als „ein nettes Zusammensitzen im Herbst bei Schlager und den neuesten Radiohits“. Das Konzept: Wer in Tracht kommt, wird mit billigerem Eintritt belohnt. Jedes Jahr veranstaltet es die FJ und jedes Jahr gibt es ein kleines Problem. „Wenn man wen zum Arbeiten braucht, dann ist das meistens schwer“, sagt Köhler, „aber das Interesse ist immer da.“

Eine große Bezirksgruppe seien sie nicht. Das läge daran, dass die FJ in der Stadt erst seit Juli 2017 wieder existiert. Zuvor musste sie pausieren. Auf ihrer Facebook-Seite reposten sie Beiträge der Parteiorganisationen mit höherem Platz in der Hierarchie. Sie scheinen etwas zu klein und können ihre Pinnwand noch nicht mit eigenen Inhalten füllen. In der roten Hochburg sei das schwierig. Die Freiheitlichen können Impulse setzen, aber schwer umsetzen. „Egal wie wir abstimmen“, sagt Köhler. Auf die Frage, ob sie an einen blauen Vize-Bürgermeister 2021 glaube, überkommt sie am Ende des Gesprächs ein Anfall von hartem Realismus: „Die SPÖ macht ihre Arbeit gut, kommt bei den Bürgern an und es geht etwas weiter. Das wird schwer.“

 


Dieser Artikel ist in „MFG-Das Magazin“ erschienen.

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