Parteiwerbung am Meiselmarkt: Du Opfa, gib Stimme

Wo Menschen sind, ist Parteiwerbung nicht weit. Der Meiselmarkt ist davon nicht ausgenommen. Alle im Bezirksrat vertretene Parteien machen Werbung am Markt, manche erfolgreicher als andere.

„Heiße, große, innige Liebe.“ So definiert Maximilian Zirkowitsch seine Beziehung zum Meiselmarkt. Der Satiriker aus Rudolfsheim-Fünfhaus, der für Sprüche wie „Fünfhaus, du Opfa, gib Stimme“ bekannt ist, besucht den Markt gerne in seiner Freizeit. Eine der schönen Seiten sei, dass hier keine Soja-Latte Hipster anzutreffen seien. „Am Meiselmarkt bekomm ich nicht nur überteuerte Spezialitäten. Er ist mehr so wie die Märkte in Ost- und Südeuropa, in denen die Leute alles verkaufen. Wien ist halt doch Balkan.“

Am Meiselmarkt tröpfelts

Seit der Meiselmarkt unter das Straßenniveau der Hütteldorfer Straße verlegt wurde, ist er der einzige Markt in Wien, der zum Teil in einer Halle stattfindet. Das hat dazu geführt, dass Abschnitte leer erscheinen und fast nicht frequentiert sind. „Do tröpfits, auf gut Wienerisch“, so Erich Wegleitner, Sektionsleiter und Bezirksrat der SPÖ. Der Umsatz der Stände ist abhängig von ihrem Standort. „Die Halle hat dem Markt etwas Frisches, Luftiges genommen“, meint Zirkowitsch. Dadurch verlor der Meiselmarkt an Atmosphäre und erinnert heute eher an ein Einkaufszentrum.

Als Satiriker sieht Zirkowitsch Werbung als etwas zutiefst Kapitalistisches und sagt „Nein zu Werbung“.

Wie auf allen Märkten ist Parteiwerbung hier nicht selten. Gerade vor den Wahlen, ganz gleich ob über Bezirks-, Landes- oder Bundesvertretung abgestimmt wird. Die Standbesitzer am Markt sehen das von zwei Seiten. Wenn Flyer und Kugelschreiber verteilt werden, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Anders sieht das aus, wenn Werbung für den Markt gemacht wird. Bezirkspolitiker kaufen oft selbst während ihren Veranstaltungen am Markt ein und locken mehr Leute zu den Verkaufsständen. Am Meiselmarkt ist das notwendig. Werbung für den Markt ist eher klein gehalten. Nur ein Schild vor dem Bauernmarkt zeugt von dem, was in den Hallen noch auf die Kunden wartet. Als Satiriker sieht Zirkowitsch Werbung als etwas zutiefst Kapitalistisches und sagt „Nein zu Werbung“.

Ein roter Markt

Bei Aktionen am Meiselmarkt sticht die SPÖ heraus. Alle sechs bis sieben Wochen finden auf Marktgelände „Grätzlgespräche“ zur Kommunikationshilfe statt. Zu Weihnachten standen ein Christbaum und ein parteieigener Punschstand vor dem Eingang. Erich Wegleitner, Sektionsleiter und Bezirksrat der SPÖ, ist der Zuständige für das Grätzl, in dem sich der Meiselmarkt befindet. Sein Team und er veranstalten Flohmärkte und versuchen sich für den Markt einzusetzen. Wegleitner kauft, nach eigenen Angaben, selbst am Markt ein und bewirbt ihn bei Freunden und Bekannten.

Den bezirkspolitischen Gegenpol zur SPÖ bildet in Rudolfsheim-Fünfhaus die FPÖ. Karl Schwing von den Freiheitlichen meint selbstbewusst „Die FPÖ führt den Meiselmarkt“. Einen klaren Erfolg der Partei am Meiselmarkt konnte er nach mehrmaligem Fragen nicht nennen. Jeden ersten Samstag im Monat platzieren die Parteimitglieder ihre Stände vor der Markthalle und verteilen Folder. Zirkowitsch ist der Meinung, die FPÖ würde mehr Stimmen bei den Wahlen bekommen, wenn sie sich von dem Markt fernhalten würde. Die Grünen werben vor allem kurz vor den verschiedenen Wahlen und die ÖVP hat sich aus dem 15. Bezirk fast ganz zurückgezogen.

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