Living in a Box

2004 suchte der ehemalige Direktor Mag. Rupert Zeitlhofer das erste Mal um eine Renovierung seines Gymnasiums an.  Zwölf Jahre später begannen die Bauarbeiten. Bis dahin war es ein weiter Weg. Im April des kommenden Jahres soll das Projekt BG/BRG St. Pölten Josefsstraße nun vollendet werden, jetzt stecken Lehrer und Schüler noch mitten in den Bauarbeiten und in einer Containerschule. Der 18-jährige Nick Gruber ist einer von ihnen.

„Die Gerüchte, dass umgebaut werden soll, gibt es seit ich da bin und schon viel, viel länger“, erzählt Nick, während er durch die weißen, engen Gänge der Container schlendert. Seit 2013 geht er im BG/BRG Josefsstraße zur Schule. Damals hieß es, das Gebäude ist renoviert, wenn er seine Matura macht. Jetzt ist es für ihn soweit, fertig ist das Gymnasium noch nicht. Er realisierte den Umbau das erste Mal so richtig, als er mithalf die Tierpräparate und Skelette aus dem alten Biologietrakt wegzuschaffen: „Da hab ich gemerkt, langsam kommt das Ganze in Schwung.“

Ein halbes Jahr später betrat er dann die Containerschule. Hier würde er sein letztes Jahr verbringen und maturieren. Zu den Räumlichkeiten selbst fiel ihm in diesem Moment nur das Wort ‚trist‘ ein. Auf den ersten Blick sah er nicht viel außer den weißen, identischen Containerklassenräumen, eng aneinander gereiht und eine lärmende Baustelle nebenan. Für die renovierte Schule stellt sich die Direktorin Mag. Silvia Klimek das komplette Gegenteil vor: „Große, helle Klassen und ansprechende, offene Pausenräume für projektbezogenes Lernen.“ Sie bezeichnet das Kommende gerne als „die Schule des 21. Jahrhunderts“. Die Planung dafür geschah bereits unter Zeitlhofer, umsetzten wird sie nun Klimek.

Warten lohnt sich

Nur, die Frage die sich jedem Schüler irgendwann einmal aufdrängt hat: Warum dauert das eigentlich so lange? Obwohl so mancher abstruse Thesen aufgestellt hat, ist die Antwort recht unspektakulär, nämlich Geld und Bürokratie. Im Schulentwicklungsprogramm, kurz SCHEP, gab es in der ‚Prioritätsklasse 3‘ einige renovierungsbedürftigere Schulen. Neben dem BG/BRG Josefsstraße unter anderen die HBLA Türnitz oder das BRG Kremszeile. Das Ministerium zog sie im Zeitplan vor. Alle Schulen gleichzeitig umzubauen war nicht finanzierbar und der Ausbau der HTL in St. Pölten verbrauchte mehr Kapital als vermutet. „Rückblickend ist das schon die ganze Zeit am Geld gescheitert“, erklärt Zeitlhofer. So verzögerte sich das Projekt Josefsstraße, bis es um 2011 herum genehmigt wurde. Erst unter dem Druck der Direktion und der Stadt St. Pölten begannen die Architekturagentur PLOV ZT und die Bundes Immobilien Gesellschaft 2014 mit der Planung.

„Wir haben einen Plan wie es ungefähr ausschauen wird, wissen aber nur begrenzt über den Bau bescheid. Zu uns sickert sowas selten durch.“

Dem Gymnasium steht nun eine Runderneuerung bevor: Das Gebäude selbst soll außen metallgrau, bei der Unterführung in die Garderoben in einem Beerenfarbton designt werden. Die Arbeiter bauen an einem neuen Trakt für mehrere Klassen und der Chemie- Bio- und Physiksaal sollen völlig neu ausgestattet werden. Raucherhof wird es keinen mehr geben, die Hausschuhpflicht soll wieder eingeführt werden und während der schriftlichen Matura werden die Bauarbeiten vorübergehend eingestellt.

Einige dieser Details kennen viele Schüler nicht, genauso wie Nick: „Wir haben einen Plan wie es ungefähr ausschauen wird, wissen aber nur begrenzt über den Bau bescheid. Zu uns sickert sowas selten durch.“

RIP Speckstangerl und Salzbrezen

Mittlerweile bemerkbar machen sich dafür die kulinarischen Neuerungen. Die Leberkäsesemmel gibt es nach wie vor, doch der Jausenverkauf des Schulwarts wurde durch ein vielfältigeres, gesünderes Buffet ersetzt. Anders sei es „nicht mehr zeitgemäß“, so die Schulleitung. Das Gymnasium setzt nun auf größere Auswahl allerdings für höhere Preise. Käsestangerl bekommen die Schüler in der Cafeteria nur noch doppelt so teuer, das soll sich aber demnächst ändern. Dem alten Kaffeeautomaten wird Nick nicht nachweinen: „Jetzt gibt es eine Kaffeemaschine mit Kapseln. Der Kaffee kostet zwar mehr, schmeckt dafür auch danach.“

Schulalltag mit Gummihandschuh

Zusammen meistern Schüler- und Lehrerschaft die alltäglichen Schwierigkeiten, die ihre Containerklassen mit sich bringen. „Wenn wir Versuche machen, müssen wir die Rauchmelder mit Gummihandschuhen abdichten um einen Alarm zu vermeiden, aber in meiner Sportklasse kommt das sowieso nur selten vor“, erzählt Nick lachend. Über die schwülen, stickigen Räume beklagt er sich, sonst gibt sich Nick recht zufrieden: „Es ist auf jeden Fall eine tolle Zwischenlösung. Eine normale Schule für die Matura würde ich bevorzugen, eh klar, aber die Container funktionieren.“

Wie die Schule fertig ausschauen wird, kann man bisher nur aus Skizzen und Animationen erahnen. Eines ist im Falle des BG/BRG St. Pölten dafür sicher: Gut Ding mag Weile haben!

 


Dieser Artikel ist im St. Pöltner „MFG – Das Magazin“ erschienen.

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